Besondere therapeutisch-prophylaktische Wirkung der Terpentinbäder nach Dr. Salmanoff.

Nach den Beobachtungen von Dr. Salmanoff haben die weißen und gelben Terpentinemulsionen unterschiedliche Wirkung auf den Organismus.

Wirkung der weißen Terpentinbäder:

Die weiße Emulsion ruft rhythmische Kontraktionen und eine Erweiterung der Kapillargefäße hervor. Die Kapillargefäße werden dabei trainiert. Diese Emulsion stimuliert die Kapillargefäße der Haut und aller Organe, wirkt auf den Gesamtorganismus und verbessert das gesamte Wohlbefinden. Der arterielle Blutdruck erhöht sich mäßig und passt sich dabei an die veränderten äußeren und inneren Bedingungen des Organismus an. Muskeln, Bänder und Sehnen werden elastischer. Die weiße Emulsion öffnet die Kapillargefäße, führt die „Gefäßgymnastik“ durch, verbessert den Blutfluss, begünstigt die Entschlackung, bewirkt eine bessere Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr zu den Organen und zum Gewebe, erhöht die Versorgung des Gewebes und die Entwicklung des Kollateralblutkreislaufes[1].

Dabei beginnen die Kapillargefäße der Organe intensiv zu arbeiten. Durch die Wirkung der weißen Emulsion fangen die Kapillargefäße an, die ihre Elastizität schon verloren hatten, tatsächlich wieder zu arbeiten. Sie öffnen sich, beginnen zu kontrahieren und das Blut wird dadurch aktiv zu jeder Zelle befördert. Der arterielle Blutdruck wird bei der Anwendung der weißen Emulsion mäßig erhöht. Die männliche Potenz wird gesteigert.

Da die weiße Emulsion die Pulsierung der Kapillargefäße erhöht, den Blutfluss steigert und dies wiederum die Intensität des Blutkreislaufes in der Peripherie begünstigt und die Gewebstrophik des Gesamtorganismus verbessert, werden sie normalerweise bei der Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Arteriitis (Entzündung der Arterien), deformierter Polyarthritis, Muskelatrophie, schlaffen Lähmungen, Impotenz und für schnellere Knochenheilung nach Brüchen verwendet.

Da die weißen Terpentinbäder den arteriellen Blutdruck erhöhen, ist es notwendig, ihre Abwicklung unter ständiger Beobachtung durchzuführen und von Zeit zu Zeit mit gelben Terpentinbädern abzuwechseln.

Wirkung der gelben Terpentinbäder:

Die gelbe Terpentinemulsion bewirkt eine Auflösung der pathologischen Ablagerungen  in den Gelenken und im umliegenden Gewebe, in den Sehnen und Bändern, in den Augenlinsen, an den Arterienwänden und  in den Kapillargefäßen selbst aufgrund der inneren Oxidation und der Erweiterung der Kapillargefäße. In der Rezeptur der gelben Terpentinemulsion befindet sich Oleinsäure – eine mehrfach ungesättigte Fettsäure. Diese dringt in die Haut ein, bindet freie Radikale, bremst den Alterungsprozess in den Zellen ein, normalisiert die Oxidations – und Reduktionsvorgänge sowie den Stoffwechsel im Organismus.

Die gelbe Emulsion senkt den arteriellen Blutdruck und löst Gelenkswucherungen auf, die bei der hypothrophischen deformierten Arthritis anzutreffen sind. Weiters löst sie Kalkablagerungen in den Sehnen und Bändern.

Bei den Folgeschäden von Schlaganfällen und Myelopathie[2], die vom Zerfall der Myelinscheiden der Nervenfasern begleitet sind, wäscht diese Emulsion die abgestorbenen Zellen, die die unbeschädigten Neuronen umhüllen, befreit die Nervenzellen, die von Schlacken zusammengepresst sind und schafft die besten physiologischen Bedingungen für Regeneration und Wiederaufbau der Nervenzellen.

Bei der Anwendung von gelben Terpentinbädern spürt man normalerweise ein schwaches Kribbeln, Brennen und Stechen an der Haut. Diese Bäder stimulieren aktiv die Schweißproduktion und fördern die Ausscheidung von Harnsäure und Natriumchlorid (Natriumsalz der Salzsäure) über die Haut.

Bei der Anwendung von gelben Terpentinbädern erhöhen sich der Herzschlag und die Atemfrequenz nicht so stark wie bei der Anwendung von weißen Terpentinbädern. Durch die dünne Ölschicht an der Wasseroberfläche wird die Wärme gespeichert, die zu einer beschleunigten Unterdrückung von pathogenen Agentien in der Lymphe, im Blut, im Zellplasma und in den Zellzwischenräumen führt. Eine wichtige Eigenschaft der gelben Terpentinbäder ist die verstärkte Schweißbildung, die sowohl während des Bades als auch in der Ruhephase nach dem Bad erfolgt.

Während des Bades bzw. in den nachfolgenden zwei Stunden der Ruhephase schwitzt man zwei bis vier Liter Schweiß heraus! Durch diese vermehrte Schweißbildung werden verschiedene Toxine und Schlacken ausgeschieden. Man verliert mit dem Schweiß viel überschüssige Flüssigkeit, was besonders bei Fettleibigkeit und Hypertonie (erhöhter Blutdruck) ein großes Thema ist. Aus diesem Grund senken die gelben Terpentinbäder den arteriellen Blutdruck.

Die gelben Terpentinbäder erweitern sehr stark die Kapillargefäße und wirken dabei ähnlich wie Schlammbäder, es gibt aber in der Wirkung auf die Kapillargefäße einen großen Unterschied: Die Schlammbäder bewirken nur eine Erweiterung der Kapillargefäße zu den Venen hin und nicht zu den Arterien. Somit bleiben diese sehr lange verengt und aus diesem Grund fühlen sich Patienten sehr müde. Nach der Anwendung von gelben Terpentinbädern fühlen Patienten diese starke Müdigkeit nicht, da sie die vollständige Erweiterung der Kapillaren sowohl zu den Arterien als auch zu den Venen bewirken.

Beide Emulsionen haben eine schmerzstillende Wirkung.

Wie bereits erwähnt, liegt die besondere Wirkung der weißen Terpentinbäder in der Erhöhung des arteriellen Blutdruckes. Die gelben Terpentinbäder bewirken eine Senkung des arteriellen Blutdrucks.

Daher sollten Menschen mit erhöhtem Blutdruck (über 160/90) oder  mit der Tendenz zu erhöhtem Blutdruck die weißen Terpentinbäder nicht verwenden!

Wenn der Blutdruck auf die Bäder stark reagiert, ist es ratsam gemischte Terpentinbäder mit individuell angepasster Menge an gelber und weißer Emulsion anzuwenden. Man muss die optimale Mischung experimentell selbst für sich herausfinden oder die weißen und gelben Terpentinbäder abwechselnd verwenden.

Anwendung der gemischten Terpentinbäder:

Die gemischten Terpentinbäder werden aus den gelben und weißen Terpentinemulsionen selbst gemischt. Die Dosierung der Emulsionen, die Badedauer und die Anzahl der Bäder innerhalb einer Kur  ist abhängig vom Krankheitsbild, der Höhe des Blutdrucks und einer Reihe anderer Faktoren unter Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten jeder einzelnen Person.

Die gemischten Terpentinbäder verbessern den Blutkreislauf auf Kapillarebene, normalisieren den Säure-Basen-Haushalt, tragen zur Resorption der inneren und äußeren Vernarbungen bei und verändern den Blutdruck nur gering. Dank der Kombination beider Flüssigkeiten bilden die gemischten Terpentinbäder eine ausgedehnte Möglichkeit zur Anpassung an den Zustand der jeweiligen Person.

Die gemischten Terpentinbäder weisen nicht nur die Vorteile der weißen und gelben Emulsionen auf, sondern haben auch noch einen zusätzlichen Effekt: durch die sich öffnenden Poren und Kapillaren wird das Einströmen von Histamin ins Blut hervorgerufen. Dies wiederum führt zur Erweiterung der verschlossenen Kapillaren in den Arterien von Extremitäten und inneren Organen.

Durch das richtige Mischungsverhältnis von weißer und gelber Emulsion kann der Blutdruck optimal reguliert werden.

Diese Bäder sind auch für einen gesunden Menschen von großem Vorteil.

Sie verbessern den allgemeinen Gesundheitszustand, erhöhen die Arbeitsfähigkeit und schützen vor Krankheiten. Das heißt, diese Bäder sind ein universelles Mittel, verhelfen zur Heilung unterschiedlicher Krankheiten und stärken den gesunden Organismus. Außerdem normalisieren sie den Stoffwechsel, unterstützen den Gewichtsverlust bei Übergewicht und verbessern die Beweglichkeit der Gelenke. Der physische und psychische Gesundheitszustand wird wieder hergestellt. Dabei erfolgt die Genesung des Gesamtorganismus.

Dr. Salmanoff studierte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern die kapillartropische Wirkung der Diathermie[3], der Kurzwellen, der UV-Strahlen, der Infrarotstrahlen, der Darsonvalisation[4], der Ionophorese[5] und des galvanischen Stroms und Stromstoßes, also all den damals zur Verfügung stehenden elektrischen physiotherapeutischen Methoden. Es wurde festgestellt, dass die meisten dieser elektrischen Mittel nur begrenzte, lokale und rein physische Wirkung haben.

Die hyperthermischen Terpentinbäder bewirken mit ihrer Wärme eine spezifische, physikalische, chemische, sowie physiologische Breitbandwirkung. Die spezifischen Effekte der salmanischen Terpentinbäder sind vor allem auf die Wirkung der Terpene zurückzuführen.

Im Zuge der Forschungsarbeiten über die Terpentinbäder wurde festgestellt, dass ihr Hauptbestandteil – das Terpentinöl – eine Reizwirkung auf die sensiblen Nervenenden in der Haut hat. Diese erklärt sich durch die Fähigkeit des chemischen Stoffes Pinen – dem Hauptbestandteil des Terpentinöls – durch die Talgdrüsen und Haarfollikel in die Epidermis (oberste Hautschicht) und zu ihren Nervenenden einzudringen. Dies bewirkt die Veränderung der Hautsensibilität. Die Reizwirkung dieses Stoffes ruft die Degranulierung von polymorphkernigen Leukozyten der Haut und die Ausscheidung der biologisch aktiven Stoffe (Heparin, Eikosanoide, Zytokin) und Mediatoren (Histamin, Acetylcholin) aus ihnen hervor, die das immunreaktive System der Haut stimulieren, was wiederum die Widerstandsfähigkeit und die unspezifische Resistenz des Organismus erhöht.

Die Terpentinbäder werden bereits seit langem in der Medizin angewendet. Man kann die Terpentinbäder zu den physiotherapeutischen Methoden zählen, die eine Tradition hinter sich haben. Ihre hauptspezifischen Inhaltsstoffe, die diese Prozedur von anderen Methoden unterscheidet, sind jedem, der mindestens einmal ein solches Bad genommen hat, bekannt. Bereits nach 1-2 Minuten spürt man ein Kribbeln, das „Ameisenlaufen“ und hat das Gefühl von leichten Nadelstichen, das an galvanischen Strom erinnert.

Am Ende des Bades wird die Haut leicht rosa bis rot. Diese Reaktion ist normal und kann bis zu einer halben Stunde nach dem Bad andauern. Das kribbelnde Gefühl und die äußerlichen Erscheinungen, die zu Beginn der Prozedur auftreten, geben dem Organismus ein Signal, das eine ganze Kaskade von Gegenreaktionen auslöst.

Die Terpentinbäder beeinflussen positiv den Gefäßtonus: die weißen Bäder erhöhen den Tonus, die gelben – senken ihn. Sie erhöhen den Blutfluss in den Gefäßen im peripherischen Gewebe, senken den Tonus der Vorkapillaren im weitaus größeren Ausmaß als alle anderen Bäder (wie Schwefel- und Kohlensäurebäder) und erhöhen die Menge an funktionierenden Kapillaren. Die Zwischenräume der Kapillaren verändern sich, die Durchlässigkeit der Endothelzellen für Metaboliten und Schlacken wird verbessert.

Die aufsteigenden Dämpfe der ätherischen Öle des Bades erreichen die Rezeptoren des Atemsystems und bewirken ebenfalls eine vielschichtige Folge von Reaktionen im Zentralnervensystem. Wenn sich die Körpertemperatur vor allem von innen erhöht, was eben bei der Anwendung von Terpentinbädern beobachtet wird, erhöht sich auch die Beweglichkeit und die funktionelle Aktivität der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) – es entwickelt sich eine systematische entzündliche Immunantwort des Organismus.

Die Erhöhung der Aktivität dieser „Sanitäterzellen“ in den Kapillaren und die Erhöhung der Anzahl der Antikörper aktiviert die Leberfunktion und erhöht die Fermentaktivität. Somit erhöhen die salmanischen Terpentinbäder die Immunität und die spezifische Abwehr des menschlichen Organismus, beschleunigen den Verlauf aller physischen und chemischen Reaktionen, die eine Basis für Immunreaktionen darstellen.

Terpentinbäder verstärken die Pulsation der Kapillaren in der Haut, dies führt zu einer Erhöhung des arteriellen Blutdrucks und zur Verbesserung der Blutzirkulation in den oberen und unteren Extremitäten (Arme und Beine), in Muskeln, Sehnen und Bändern, Gelenken und in allen Organen. All dies ruft die Erhöhung des Stoffwechsels hervor und bewirkt eine ausgezeichnete Heilwirkung bei atrophischen und hypotrophischen Störungen in verschiedenen Geweben und Organen sowie bei der Hypotonie (niedriger Blutdruck) und bei Gefäßerkrankungen wie obliterierende Arteriitis der Beine.

Aufgrund der klinischen und experimentellen Daten stellten die Forscher fest, dass die salmanischen Terpentinbäder das parasympathische Nervensystem aktivieren. Das sympathische und das parasympathische Nervensystem sind zwei relativ selbstständige Teile des autonomen Nervensystems, dessen koordinierte aufeinander abgestimmte Funktion die Feinregulation der Funktionen der Organe, der Drüsen der Innen- und Außensekretion, der Blut- und Lymphgefäße, sowie des Stoffwechsels gewährleistet.

In unserer Zeit wird es immer mehr eine Notwendigkeit, die Funktion des parasympathischen Nervensystems zu erhöhen. Bei den meisten in Großstädten lebenden Menschen wird der starke Einfluss von Adrenalin und Noradrenalin beobachtet. Diese Neurohormone des sympathischen Nervensystems rufen die Entwicklung der Arteriosklerose der Koronargefäße, des Myokardinfarktes und anderen pathologischen Störungen, die zum vorzeitigen Tod von Millionen von Stadtbewohnern führen, hervor.

Die Terpentinbäder helfen den Tonus des parasympathischen Nervensystems zu erhöhen und somit das Leben der Menschen, die an koronaren Herzkrankheiten und Hypertonie leiden, zu verlängern.

Die Terpentinbäder rufen nicht nur die Verbesserung der Kapillarzirkulation und die Beschleunigung des Blutflusses hervor, sie haben auch eine schmerzstillende und antibakterielle Wirkung. Sie aktivieren die Atmungsorgane, indem sie eine zusätzliche Menge an Kohlensäure bilden. Die gemeinsame Eigenschaft im Wirkungsmechanismus der Terpentinbäder ist, dass sie auf die Nervenenden in der Haut wirken und reflektorische physiologische Reaktionen starten, die die Grundlage des Mechanismus der natürlichen Selbstregulation, der Widerstandskraft und der Selbstheilung des Organismus bilden.

In den weiteren Forschungsarbeiten, die Ende des 20. Jahrhunderts von russischen Wissenschaftlern und Physiotherapeuten durchgeführt worden sind, wurde der hohe therapeutische Effekt der Terpentinbäder bestätigt.

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Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch: W.W. Ezhov, „Kapillar Therapie: Terpentinbäder nach Dr. Salmanoff. „Das Labor von Dr. Pirogow“ – Die Gesundheits- und Langlebigkeitsrezeptur. Gebrauchsanleitung für Ärzte und Patienten. Übersetzt von: Fr. Mag. Oksana Gavrilova. Alle Rechte vorbehalten.

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[1] Ein Kollateralkreislauf ist ein Umgehungskreislauf, der physiologisch, oder bei akuter bzw. chronischer Störung der Durchblutung durch Nutzung von Nebengefäßen (Kollateralen) entsteht.

[2] Myelopathie – eine zervikale Myelopathie ist eine Schädigung des Rückenmarks der Halswirbelsäule, des Cervikalmarks.

[3]Diathermie – (griechisch für Wärmedurchdringung, englisch diathermy) auch Hochfrequenzthermotherapie ist eine elektrotherapeutische Methode der physikalischen Therapien innerhalb der Medizin, bei der Wärme im Körpergewebe mit Hilfe von hochfrequentem elektrischen Strom erzeugt wird. Mit der Diathermie lässt sich auch in der Tiefe eine Wärmeentwicklung erzeugen, im Gegensatz zur Anwendung von Infrarotwellen der Rotlichtbehandlung, die hauptsächlich die Hautoberfläche erwärmen.

Bei der Diathermie werden entweder Elektroden auf die Haut aufgesetzt, die mit der Hochfrequenzquelle verbunden sind, oder das betreffende Hautareal wird über eine Antenne, die an den Generator angeschlossen ist, bestrahlt. In diesem Falle gelangt ein Anteil auch in die Tiefe und kann im Gewebe Wirbelströme induzieren, die zur Wärmeentwicklung führen. Die Wahl der Frequenz und der Imaginärteil der relativen Permittivität des Gewebes bestimmen, inwieweit die Wärmeentwicklung in der Tiefe erfolgt. Siehe auch Dielektrische Erwärmung.

[4] Darsonvalisation verbessert die oberflächliche Blutversorgung der Gewebe, wirkt spasmolytisch und schmerzlindernd.

[5] Die Iontophorese (auch Iontopherese) ist ein medizinisches Verfahren zur Resorption von Arzneistoffen durch die Haut unter Anwendung eines schwachen elektrischen Gleichstromes.

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